Stumpf ist der Mensch, der keine Zeitungen liest. Noch stumpfer verdient genannt zu werden, wer eine Nachricht für wahr hält, bloß weil sie in der Zeitung steht. (August Ludwig Schlözer)
Die Historische Presse-Schau bietet einen chronologischen Rundgang zur Geschichte der Bremer Zeitungen. Sie beginnt mit der „Geburt der Zeitungen“ in Straßburg 1605 und illustriert die Zeitungsvielfalt, die sich bereits im 17. Jahrhundert im Alten Reich entfaltete. Im Dreißigjährigen Krieg gründete die Druckerfamilie Köhler 1632 auch in Bremen ein erstes politisches Nachrichtenblatt. Diese anfangs titellose Zeitung und ihre Nachfolgerinnen blieben für rund 150 Jahre jeweils ohne örtliche Konkurrenz. Wer etwas über das Geschehen in Bremen selbst lesen wollte, musste jedoch zu auswärtigen Blättern greifen. Eine Lokalberichterstattung gab es erst seit der Zeit des Vormärz.
Mit den 1743 gegründeten Bremer wöchentlichen Nachrichten erhielt auch die Hansestadt einen neuen Zeitungstyp, das Intelligenz- oder Anzeigenblatt. Dieser Vorläufer der heutigen Lokalpresse vereinte amtliche Veröffentlichungen mit privaten und Geschäftsanzeigen aller Art und bot den Lesern Informationen, die für die Organisation des Alltags relevant waren. Die Bremer Nachrichten wurden 1870 zur politischen Zeitung; als drittälteste deutsche Zeitung erscheinen sie noch heute.Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Bremen eine erstaunliche Vielfalt von Zeitungen, Zeitschriften und anderen periodischen Schriften. In den Wochenblättern des Vormärz konnten erstmals Themen der Kommunalpolitik diskutiert und oft mit spitzer Feder kritisiert werden. Seit 1844 erschien die Weser-Zeitung, an deren Entstehung der bekannte Bürgermeister Johann Smidt maßgeblich beteiligt war. Als erste Bremer Zeitung fand sie auch weit über Bremen hinaus Anklang bei den Lesern.
Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts verbreitete sich das Lesen in allen Bevölkerungsschichten, und so entstanden Zeitungen und Nachrichtenblätter für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten die Leser allein zwischen fünf parallel erscheinenden politischen Tageszeitungen wählen. Die Entwicklung der Bremer Arbeiterpresse begleitet und spiegelt die Entwicklung der organisierten Arbeiterbewegung bis zum Ende der Weimarer Republik.
Der Nationalsozialismus beendete die Reichhaltigkeit des Informationsangebotes endgültig. Seit September 1945 erscheint in Bremen der Weser-Kurier, die Bremerhavener Nordsee-Zeitung wurde 1947 gegründet. Die traditionsreichen Bremer Nachrichten wurden 1974 vom Weser-Kurier aufgekauft, und heute erscheinen beide Zeitungen mit dem gleichem Inhalt.